Er war müde. Eine unglaubliche Hitze, Isolation in seiner eigenen Wüste. Sonnenspiele in der Luft, dieses Dickicht an erhitzter Sommerpracht, jedes und alles erfüllend, eine wärmende Decke, abtrennend von Kargheit des Winters - wie konnte er auch nur an die Abkehr von all diesem denken?
In seinem Schuppen, eine grob errichtete Festung auf verdorrtem Gras (die Hitze war kaum erträglich, erlahmend, wenn auch nicht unerwünscht), setzte er sich gerne und betrachtete Rost. Betrachtete rötlich-braune Färbungen über Eisen, einst Pfeiler und tragende Stützen der Festung - wohin ist ihre Kraft geschwunden? All diese Gegenstände des Verformens, der rohen Gewalt - wie konnten all diese Schippen, dieser Schubkarren, dieser Rasenmäher dieselbe Farbe annehmen und sich ihrer Berufung verweigern? Wie konnten sie einen Pakt mit dem Gras, mit der durch die Hitze ermatteten Natur eingehen, um in eine tiefe Form der selbstgefälligen Melancholie zu verfallen? Er gönnte es ihnen in einer Gleichgültigkeit und einer fast schon perversen Faszination. Suchte sich selber in einer gedachten Spiegelung im Rost, und fand sein Gesicht, bald seinen kompletten Körper in derselben wunderbaren Tönung, in derselben wunderbaren stillen Protestform. Und wie gerne wäre er in diesem Moment ein Metall geworden, bereit, zu rosten und verwerflich zu werden, nicht mehr zu handeln, sondern gehandelt zu werden beim Schrotthändler, ein unbeteiligtes Kapitulieren, schweigend und alles außer den Rost und die Sonne verneinend.
Sein tiefes Atmen war Ursprung und Welle der einzigen Bewegung in diesem kleinem, stickigen Raum - Plastikdecken ließen eine verschwommene, verzerrte, durch ihre Vorstellungen gefilterte Helligkeit hindurch, sie zensierten die Sonne. Überall starrten ihn Relikte der Vergangenheit an, überall schienen sie ihm Vorwürfe zu machen, aber dennoch gleichzeitig in einer seltsamen Verständnis zu ihm zu existieren. Wie gerne nur hätte er mit diesen Gegenständen geredet, wie gerne nur sich ihnen angeschlossen, wie gerne nur ein ewiges Leben in diesem Schuppen verbracht, seiner sicheren Festung. Niemand würde sie einnehmen wollen, was gäbe es denn auch einzunehmen?
Schon bald schabte er in seiner Verzweiflung und Wunschvorstellung ein wenig Rost ab und strich ihn auf seine Wangen - es war die Kriegsbemalung gegen all das, was ihn da draußen zersetzte. Denn wenn er schon zersetzt war vom Dickicht der Sommerluft, wer sollte ihn denn dann noch etwas anhaben können? Der herunter tropfende Schweiß an seinen Wangen vermischte sich mit dem Rost, bald fügten sich Tränen in die Mischung hinzu. Viel zu schnell wurde die Flüssigkeit von der Sonne gierig aufgesogen, nur eine glänzende Rostschicht ließ sie zurück, seinen neuen Schmuck. Mit ihm würde er sich nach draußen trauen, doch viel lieber blieb er hier und ruhte bei seinen einstigen Sklaven - nun war er einer von ihnen geworden. Und vielleicht würde man auch ihn eines Tages hier auffinden, alt, verrostet, starr und unbeweglich, und vielleicht würde man auch von ihm Rost abstreichen. Denn Rost ist mehr wert als Gold.
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