Seine Hände, seiner Fingerspitzen waren doch so oft Geburtshelfer von Wortsymbiosen, Wortmuster, die ihn und andere zusammenführten, die ein Staunen und Zusammenraufen bewirkten - und er liebte es, wie sich seine Finger in die Tasten eingegraben hatten, wie sie tief gruben in den Stollen, nicht selten beschwerlich, unter unvertretbaren Umständen, sich über Staub beklagend, der ein hallendes Husten verursachte. Und welchen Lohn erhielten die Arbeiter schon, wie könnten sie sich denn so selbst entfliehen? Aber es war eine schaffende Arbeit, und diese liebte er.
Nun aber schien der Stollen erschöpft. Schwarz-weiße Impressionen markierten das Ende der Goldsuche, all jene hastig konstruierten Arbeiterstädte waren nun Träger einer Isolation, einer unbeachteten Verwahrlosung. Würde doch irgendwann ein Mensch durch sie wandern, so würde der hier herrschende Staub auch dem letzten Funken Euphorie das Begräbnisritual erweisen, in seiner reinsten Form ohne jeden Beobachter und ohne jede staubige und geheuchelte Anteilnahme. Hier herrschten keine Klischees (jene waren längst gefangen in der Außenwelt) - hier war die Leere und Stille, die viele Quellen schon zum Erliegen brachte. Und er begriff sich längst als Einsiedler seiner neuen, vielleicht sogar gewählten Heimat.
Doch auch diesem Bild entfloh er schnell und starrte weiterhin auf die sich vor ihm aufwallenden Tasten, die allesamt ein Problem, eine im Moment unüberwindbare Hürde teilten: Sie sind nur Hände, die Buchstaben reichten. Sie sind eine grauenhaft scheinende Effizienz, die die Größe verkleinert, den Wind des Momentes in einen steten, leichten Luftzug (erfrischend zwar in der Hitze des inszenierten Sommers, aber nicht den Körper in seiner Gänze zum Stürzen bringend) wandelt. Wenn er Glück hatte, mochten einige aus dieser Symbol-Collage noch blasse Schimmer seines Erlebnisses erkennen, ein farbloses Bild der Sonne, die Konturen sichtbar, vielleicht auch der eine oder andere Lichtstrahl, aber niemals die ganze Farbintensität. Eine spröde Darstellung seiner Träume, seiner Bilder, langsam zersetzt und längst ihrer Schönheit beraubt. Das war sein letzter Anspruch auf Hoffnung, sein letzter Lichtblick, der kurz blendend, aber oft kaum erhellend war.
Oft spielte er schon mit dem Gedanken, seine Tasten voneinander zu trennen, vielleicht neue Anordnungen zu schaffen - aber immer verführte die Sprache seine Triebe zu anderem, er fühlte, wie seine Intentionen schmelzten und sich mit anderen Schmelzflüssigkeiten vereinten. Und so sah er die Rettung im Zerstören der Tasten, im Vergessen der Sprache. Aber doch konnte er seine Pläne nicht ausführen - und so blieb er Einsiedler in der verlassenen Arbeiterstadt, immer aus dem Fenster starrend, ob sich doch vielleicht jemand in seine Heimat verirren würde.
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