Der Autor ist beim Schaffen eines Werkes immer einsam. Eine Geburt ohne jegliche Hebamme, oft in einer starren, verfestigten Felsformation, nahe dem inspirierendem, sich hier und da erhebendem Meer. Die mit seinem Schreiben einhergehenden Tippgeräusche der (vielleicht nur metaphorischen) Schreibmaschine sind die einzigen Laute, die Leben beweisen mögen; herrliche Laute, als meißle man in Stein, als wäre das Werk mehr als nur zarte Wortgeflechte, die beim leichtesten Gegensturm sich lösen und sich zerstreuen würden. Manche fangen gerne ein paar der umher fliegenden Blüten auf und machen sie zu ihrem Schmuck. Hier und da setzt sich der Samen in neuen Böden fest und kann anwachsen, wird blühen und ruhen, sich einem Rhythmus anpassen, ohne auch nur Protest erwägen zu können. Denn ein Text schweigt nur zu gerne.
Das Schreiben ist eine abstrakte Kunst. Wirre Körper, oft in scheinbar unsinnigen Kombinationen, Schlachtfelder, unbegreifliche Momente - Kandinsky hatte andere Wörter, aber auch er war Autor. Der Autor ist nicht selten in der Rolle des kleinen Arbeiterjungen, der den Spiegel vor den Leser trägt. Dazu muss er sich bücken, den Leser erst einfangen in die Reflektion - Worte sind nichts anderes als schweifende Spiegel-Fragmente, egal, ob das zurückgestoßene Licht nun blenden (gar verblenden) oder nicht einmal zum Lesen genügen mag. Denn wie jeder Spiegel bedarf auch dieser ein Ausgangslicht.
Der Autor hetzt über Zeile und Zeile hin und wieder, übersieht Fragmente und führt an anderer Stelle zusammen, was an seinem Bilde kratzt. Jener Autor ist doch immer der Leidende unter dem größten Zerstörungspotenzial, das ein Text hat. Texte wüten nur zu gerne und zerreißen, wenn man sie nicht zähmen lernt - doch wer kann schon das Licht kontrollieren?
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