mutterstolz
Konturen werfen und Konturen schlucken, das eine als die Bedinung des anderen, eines dem anderem voraus gesetzt, schwarze Tinte auf weißem Papier müsste es dokumentieren und Nachwelten aufbereiten, doch fürchtete man eine zu frühe Nachbrut, jene, deren Augenblick nicht fallen würde auf vergilbtes, nein, immer noch stechendes und weißes Papier.
Der Lüftungsmarsch, stramm gezogene Rinden, erfeuchtet im herbstlichem Gegenwind, nackt für den Baumfäller, mit Gehrock gemustert für den Jäger. Hier, auf Krusten klarer Linien, wuchernd im Stillleben, dampfend doch so oft bei fahler und fader Sonne, auch den Fall jenes Feuerballes nach dem Aufstehversuch verfälschend durch diese ungebändigten stillen Stürme, das plumpe Stürzen und Fortbewegungen, die einstudiert und bewährt waren; hier, ein roter Platz in müden Sonnenversuchen, hier, Risse in Rinden, tausende kleine Körper (wie hätte man ihr Alter nicht tief unter dem eines stämmigen und knöchrigen Menschens schätzen können), Küchenmesser und die langsame Rillenwaschung in ihre Körper, ein süßer Schmerz, gleich einem sich langsam lösendem Garn eines schweren Kleidungsstückes. Unsortierte Kriegsbemalungen wuchsen auf ihre nackten Körper, man verrieb und fasste sich in die Wunden, man drückte und spurtete, man starrte auf den Harz, man säuberte nicht, man trank.
Und auch Schreie von allen Seiten waren keine Wogen für drehende Hälser, diese nassen Segeltücher hielten ihren Blick vielmehr starr und erwartungsvoll, ausgearbeitete Naivität, der Schmerzausdruck automatisiert, modelliert, seltsam trockene Aktfotografie. Die Riegen hoben sich, die Wallungen drehten gegen Luftwiderstände, Errektionen im Schnitt, aus weiträumigen Perspektiven; Betrachtungen konnte man hier anstellen von den Reihen der Funktürme, scheinbar perfekt in Rost gerieben und gemahnt, spitz zulaufend, den feuchten Himmel küssend und mit Treppenwerk versehen, in Spiralen formiert. Niemals könne man dem Akt widerstehen, so hieß es.
Und so schmiegte man sich dem Abend an, Orgien, leichtfüßig, drall, man konnte sich ansehen mit der Weile und den Schrei des anderen abwarten, sein eigenes feuern in richtigen Momenten einer beinahe absoluten Stille, man kannte nun den anderen in übermannender Erkenntnis, man sah sich um nach Arbeitsteilung derselben Werke, desselben Treibens, man organisierte quer zu roten Metallstreben am Himmel, hier und jetzt glaubte der eine oder die andere tatsächlich an Erfolg, tatsächlich an die Umkehr der Dinge, die Fassungslosigkeit vor der eigenen Antike, diese schwerfälligen Blitzszenen, so verriegelt mit ihren stockhaften Werkzeugen, aufgelesen in nahen Wäldern, eine Reise um die eigene Achse.
Und tatsächlich: Eine Wolke der Walküren, ihrer Aufgabe beraubt mit dem Verfall ihrer Jungfräulichkeit, betäubt das sich stechende Schauspiel, friert es ein, saugt die Wunden aus, entreißt Messer aus verkrampften Händen, jener längst in ihrer Pflicht verstorbenen jungen Menschen.
Plötzlich beginnen Funktürme zu senden.
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