Poetik für den Vorwand.

Montag, 13. Oktober 2014

Schrei

Ich wundere mich: Haben diese Gefährte schon immer die Lautstärke meiner inneren Wörter gehabt? Linear ziehen sie ihren weg, unterlegen dem, der sie steuert – ein schweres Gröllen, wie das Gewitter, das seit jeher in meinem Inneren tobt. Ein langer Kampf, der nur von Sekunden ist. Eine Intensität, die erschüttert und wachrückt. Sie schreien mit ihrem Freund, der Luft der Außenwelt, nach dem verlockendem, was dort lauert. Nach der Freiheit der Region. Nach der wertvollsten Form des Lebens. Sie schreien, und ich würde mitschreien, wäre ich nicht komplett erstarrt durch die pure Schönheit der Nacht. Wäre mein Mund nicht gebändigt durch die Sterne, die scheinbar wenige Meter vor meinem Gesicht umhertanzen, ihre Freiheit preisen. Ich würde springen und ihnen folgen. Doch ich weiß, dass ein Fenster, ein Gitter, sich davor befindet. Ich weiß, dass ich warten muss, bis ich dem Schrei folgen kann.

Nacht - Schönheit

Vielleicht ist die Nacht das, was der Tag sein will. Vielleicht ist die Nacht, diese einstige Symbolik der Unterdrückung, der schieren Paranoia, das, was unser Inneres begehrt. Vielleicht ist die Nacht von unendlicher Schönheit, die sich nicht in die Form von Worten gießen lässt. Eine Schönheit, unbändig und frei umher tanzend, eine Schönheit, frisch, nie vergänglich, Symbolik der Ewigkeit, eine Schönheit, die mich in ihren Bann zieht, die mich tanzen und aufhorchen lässt. Eine Schönheit, die unendlich scheint in ihrem Sein – doch wenn ein fernes Erbäumen versucht diese Schönheit zu durchbrechen, folgert der Konflikt.

Die Nacht scheint zu verbergen, was unser Inneres ist: Die Verderbnis. Der ewige Drang zur Selbstzerstörung. Unwissentlich oder bewusst. Die Nacht verdeckt unsere Fehler, zeigt, wie wir sind, in kompletter Dunkelheit. Hüllt uns ein in einen Mantel des neuen Bewusstseins. Die Nacht zwingt mich zum Rennen auf der Ewigkeit, die Nacht zwingt mich zum Rennen auf das, was ich liebe. Die Nacht umarmt mich, doch gleichzeitig schlägt sie mich. Peitscht mich. Die Nacht ist meine kreative Hochburg, ist mein kreativer Zenit. Mein ewiglicher Hort der Sicherheit, dort, wo ich leben kann, dort, wo ich nicht verstecken muss, was sich nennt Ich. 

Donnerstag, 28. August 2014

Paranoia

Entschlossen und kalt packt sie die Schulter,
ein Schuss der Unsterblichkeit,
ein Moment der Ewigkeit,
und doch zugleich vergänglich und sterblich.
„Wer?“
Niemand.
„Warum?“
Kein Grund.
Er packt, zerrt, greift, zerrt, packt.
Tötet.
Befreiung oder Ende.
Er stiehlt.
Befreiung oder Ende.

Wahnsinn ist Zeugnis der Gesundheit.
Und wer durchstreift den dunklen Wald der Erkenntnis,
der wird auf die Tiefen treffen.
Wird mit den Füßen waten in den tiefen Gewässern.
Und sich erlaben an der Köstlichkeit.

Schweiß rinnt hinab.
Ein Schrei. Ein Wahn. Dann: Das kalte Gefühl des Bodens.
Endloser Frühling.
Naher Winter.
Er folgt.
Peitscht.
Sinnt auf Schmerzen.
Sinnt auf Verwirrung.
Wirr umher blickt er,
umringt von tausenden Augäpfeln,
welche ihn durchbohren,
ihn fassen,
durchrütteln und zerren.
Sie sind es,
sie sind die Wahrhaftigkeit.
Die Wahrhaftigkeit des Wahns.

Er rennt.
Rennt.
Rennt.
Rennt.
Kein Ende, kein Anfang.
Nur Paranoia.
Nur Tiefe.
Nur der endlose Fall.
Nur das Feuer.

Die endlose Hitze.

Sonntag, 24. August 2014

Ketten

Fest umklammern mich die Ketten der Zivilisation. Rötliche Spuren durchziehen meinen geschundenen Rücken - ich bin Opfer einer Vergewaltigung. Einer Vergewaltigung durch die Zivilisation. Ein steter Ruf, ein steter Drang der Macht, Vergeltung, des Geldes. Die Gesellschaft - längst ausgehungertes, verdorbenes Vieh, welches zubeißt, wenn man seine Augen abwendet, welches verlogen grinst in der Dunkelheit, sich rechtfertigt mit bloßem Instinkt. Wir sind nicht besser als Tiere. Doch Tiere haben die Unschuld, werden gepeitscht durch Instinkt. Wir haben die Erfüllung von Intelligenz, doch sind unsere Seelen verdorben. Wir müssen übersteigen, müssen überwinden, was in uns schlummert. Müssen den Wahn der Macht und der Hure namens Geld beenden, müssen Freiheit finden im Relevanten. Und müssen die Ketten der verdorbenen Mentalität abstreifen. Erst dann erfahren wir leben.

Samstag, 23. August 2014

Schwimmen

Ich möchte schwimmen. Möchte mich sonnen im Strahle der Sterne. Möchte mich überwinden. Möchte trinken aus dem Ozean der Tugend. Bin ich gefangen in Torheit? Bin ich Mensch? Oder bin ich Sein? Bin ich unvollkommen? Oder habe ich den Sinn nach Freiheit, habe ich die Lust am Tanzen auf dem Stege der Unendlichkeit, dem Lachen, der süßesten Frucht: Wissen und Freiheit, gefesselt durch Verantwortung? Ich bin mein eigener Richter, bin das eigene Opfer. Habe eine eigene Regelung, ein Zusammenspiel, eine Symbiose aus Werten, aus dem triefendem, widersprüchlichem Tier namens Moral, das lauert. Ich springe. Möchte klettern. Doch wo werde ich ankommen? Werde ich scheitern an tauben Ohren? Werde ich den Menschen angehören, die in ihrer Torheit versinken, versuchen, ihre modrigen Finger zu verkrallen an dem vermeintlichem Rettungsseil, das "Konsum und Macht" heißt? Nein. Ich werde auf meinen Kopf steigen und mich überwinden. Bis ich ins Meer der Sterne eingedrungen bin.

Samstag, 17. Mai 2014

3: Die Ode des Lebens

Langsam schiebt er sich voran,
der Schleier des Lebens,
der Nebel des Verberbens,
der Regen der Hoffnung,
der Keim der Auferstehung,
all dies,
kann unser Leben formen,
kann uns verändern,
kann uns schenken,
uns entwenden,
uns stärken,
uns schwächen,
eine unendliche Macht,
das Ende der Nacht,
der Beginn des Tages

Bäume wachsen,
synchron zu unserem Leben,
wir wachsen,
geistig wie auch körperlich,
eine Evolution,
ein innerer Kampf,
ein Triumpf?
Oder nur eine weitere Niederlage?
Ein Sieg?
Oder die totale Vernichtung?

Das Ende.
Der Anfang.
Alles relativ.
Alles aus der Sicht des Betrachters.
„Lasse dein Leben nicht dahinscheiden!
Nicht den kleinen Teufeln unterwerfen!
Lehne dich auf!
Verändere!
Kreiere!
Schaffe!
Nutze deine Hände!
Nutze sie, dein eigenes Königreich zu erbauen!
Deine eigene Festung!
Dein eigenes Schloss!
Kämpfe mit ihnen!
Verteidige dich!
Zeig ihnen die Offenbarung!
Zeig deine Stärke,
deine Kraft,
deinen Willen!“
So hallt es,
so schallt es,
doch können wir es umsetzen,
unsre Burg erbauen,
unseren Feind abwehren,
uns selber ausschlagen,
uns selber aufbauen,
unser Werk auf Erden erbauen,
kreieren,
uns erlaben an der Pracht,
der Schönheit dieses Planeten?

Trüben nicht die Funken des Feuers,
der Tanz des Teufels,
die Verdunklung des Himmels,
unser Bild der Erde,
unser Auge für die Herrlichkeit,
unser Auge für die Macht,
die Schönheit,
die Pracht,
sollen wir uns erheben,
sollen wir uns eine Welt erbauen,
eine,
welche unseren Ansprüchen gerecht wird?
Hände greifen ineinander,
wollen   formen,
wollen formen den Planeten,
den es bedarf,
wollen unsere Festung stärken,
doch sind sie unnützer Ballast?
Gar gefährlich?
Fremde Eindringlinge,
Einschnitte in die Freiheit,
die Freiheit des Wesens,
des Menschen,
der Existenz,

des Geistes?

Donnerstag, 1. Mai 2014

2: Der Tanz der Funken

Dort springen sie,
entspringen der Quelle,
feuern durch die Luft,
erheitern sie,
„Nur noch einmal“,
„Nur noch einmal“,
so hallt es,
ein besonderer Moment,
ein besonderer Himmel,
eine besondere Schlacht,
ein besonderer Funken

Kampf,
Frieden,
Aufstand,
Tot,
Verderben,
Sturz,
Revolution,
die Blüte der Hoffnung,
der Keim der Auferstehung,
der Kampf der Gerechtigkeit
Gekrönt durch den Erfolg,
Erfolg,
Misserfolg,
Erfolg

Ein weiterer Aufstand,
eine Auflehnung,
„Gerechtigkeit!“
„Freiheit!“
So schallt es,
doch wird ihr Anliegen erfüllt?
Werden sie Vollkommenheit erfahren?
Die Blüte des Lebens kosten dürfen,
kosten in ihrer vollen Pracht,
in all ihren Farben,
in all ihrer Schönheit,
berieselt durch die Funken der Sonne,
behütet durch den blassen Schimmer des Monds,
umgeben durch das Kissen der Luft,
eingebettet in den Ursprung der Welt,
im Ursprung der Unendlichkeit?

Kampf,
Frieden,
Kampf,
Frieden,
sehen wir einen Unterschied?
Oder sehen wir gleiche Begriffe?
Krieg,
Kampf,
Verberben.
Frieden,
Dialog,
Freiheit.
Nur andere Worte,
selbiger Inhalt,
nur ein anderer Rahmen,

dasselbe Bild.