Er
mag Wände, egal, aus welchem Material sie nun bestehen. Wände regen
ihn an, die Erregung der freien Luft in Schach zu halten, Wände sind
seine Gesetze. Niedergeschrieben auf einem Tapeten-Pergament.
Fenster
sind den Wänden hinderlich, Fenster durchbrechen die Wand und
versuchen, neues darzustellen. Sie sind der Bruch einer lang
andauernden Symmetrie, einer vollkommenen Ästhetik in seinen Augen.
Nein, Fenster sind die Feinde der Wände, denn sie erzeugen ein
falsches Bildnis.
Über
Türen schweigt er gerne. Er mochte zwar hin und wieder mit seiner
Hand über das Holz seiner Tür fühlen, die Klinge hatte er jedoch
seit langem abgebrochen. Und, das hatte er geschafft, sie aus dem
Fenster geworfen. Ein höchst schmerzhafter Akt war es, die Außenwelt
war grausiges Inferno - die Vorstellung, seine Wände kämen von
dort, ließen ihn sofortig erzittern, kompensiert durch die
Vorstellung, welchen Wahn die Wände doch außen aushalten mochten -
eine Bewunderung. Er denkt sich oft, er könnte das kalte Zischen und
das Feuer draußen nicht ertragen. Was kannte er denn außer den Wänden?
Er
liebte seine Wände, er gesteht es sich von Zeit zu Zeit ein - er
liebte den Raum, ein leitendes Narrativ, so herrlich einfach und
direkt, so human. Es war ein eigenständiger Kosmos für ihn,
losgelöst von Gefahren, ein erbauliches Gefühl, hier zu existieren.
Er wollte keine Gegenstände - sein Raum war der einzige Begriff von
Perfektion.
Oft
setzt er sich, betrachtet die Wände, fährt mit seinem Blick empor
und hinunter, vertikal tut er das gleiche - und stets findet er selbe
Muster vor, selbe Ausgangspunkte, selbe Ziele. Ein ewiger Lauf, keine
Erschöpfung, niemand klagt. Und hört man doch leises Seufzen von
der Last, so trägt die Seitenwand die Last mit. Der Ursprung der
Last mochte draußen hocken in der Kälte. Und man durfte ihn nicht
mit bloßen Augen sehen, wollte man sein blasses Augenlicht behalten.
Er
liebte seine Wände. Und er wusste: Die graue Tapetenfarbe würde
nicht blättern, und wenn, so sähe er einen Riss in seinem Himmel,
durch den das jüngste Gericht hindurch brechen würde.
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