„Ich
bin nur zu gerne einsam“, sprach der alte, vielleicht senile Mann
(man konnte ja so wunderbar in seinen Kopf sehen), während er
langsam, gemächlich die doch so verdorrten Hände ineinander
faltete.
„Einsamkeit
gibt mir endlich Zeit für mich. Ich habe aufgehört, mich im anderen
zu suchen, und stattdessen endlich gefunden, was ich bin: Nichts.
Vielleicht bin ich existent. Ein kleiner Teil eines großen,
zusammenhängendem Gemäldes, vielleicht hat es einen abstrahierten
Sinn, der sich uns widersetzen möchte, weil er nicht versteht, dass
auch er nur Teil des Gemälde ist. Auch der Maler ist nur Teil des
Gemälde. Und in dem Moment, in dem ich das Bild betrachte, mache ich
mich auch zu einem Teil von ihm.“
Er
starrte auf sein Bild.
„Vielleicht
bin ich alt, vielleicht hört ihr mich nicht mehr, vielleicht höre
ich euch nicht mehr. Vielleicht bin ich längst gestrandet auf einer
Insel.“
Er
setzte langsam den Pinsel auf, fuhr ein paar Züge. Dann starrte sein
faltiges Gesicht aus dem Fenster, als würde er ein Objekt suchen.
„In
Wirklichkeit male ich mich und doch nicht mich.“
Ein
Zug an der Zigarre. Rauch, tänzelnd umherschweifend. Partikel, einzelnd durch das Sonnenlicht selektiert.
„Sie
müssen wissen: Wir, die Menschen, verstehen Kunst nicht. Wir wollen
Dinge sehen, die ein losgelösten Sinn haben. Wir wollen Formen,
Gegenstände, wollen Szenen, die doch auch einen Bezug zu uns haben
könnten. Ach, wie könnten wir da auch nur Kunst verstehen! Wir sind
längst alle auf Inseln, haben auf diesen Fahnen aufgestellt, äußerst
hässliche übrigens. Und wir haben Angst vor Wasser. Wir haben
grauenhafte Angst.“
Er
setzte erneut die blaue Farbe auf und malte die nächste Welle, die
bald die zierliche, kleine Insel verschlucken würde.
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