Poetik für den Vorwand.

Samstag, 4. April 2015

Mond in Wasserpfütze

Mond in Wasserpfütze
In der ich warte
Spiegelung meiner selbst
Autos, schnell an mir vorbei irrend
Rasend, sie kennen das Ziel
Aber nicht den Weg
Ich beobachte
Verfärbe auf meiner eigenen Leinwand
Doch wird niemand außer mir diese Farben erkennen
Ich muss sie benennen
Bin dort den Ketten der Sprache unterlegen
Ich werde verlegen
Und starre weiter auf mich selbst

Freitag, 3. April 2015

Hitze



Loderne Flammen
Erreichen mein Gesicht
Die Hitze sticht
Sollen sie erlöschen
In einer wirren Kombination
Aus Selbst-Geißelung und Verblendung?

Peitschen zerschneiden Luft
Ein herrlich erregender Duft
Brennender Asphalt
Seid ihr bereit?
Vielleicht schon befreit?

Tausende Stimmen
Erhoben zum Chor
Erhoben jedes Ohr
Hören und rufen zugleich
So manches Gesicht:
Ganz bleich
Angesichts der Möglichkeiten

Montag, 30. März 2015

Frische Nachtluft

Frische Nachtluft
Verführerischer Duft
Schlängelt sich in den Garten
Meiner Lunge
Sinn, zu warten
Bleiben im Moment
Im Orient
Der neuen Sinne
Stehen bleiben auf der Stelle
Ich stand nie an anderer
Verwachsen mit dem Boden
Der da wird sein die Quelle
Für großartiges, erhabenes
Ein Wassertropfen auf meiner Stirn

Sonntag, 29. März 2015

Soziale Neugeburt

Wie wir uns zerreißen und zerbeißen
Für das warm-umarmende Band
Menschenmassen strömen
Gleiten vorbei, feiner Sand
Man könnte wahllos greifen
Man wird mitschleifen
Dadurch nicht reifen
Sondern verbleichen
Und Ideale gebähren
Den alten einen letzten Blumenstrauß ans Grab legen

Wir klammern uns aneinander
Wie lange schon verharren wir in unserem Griff
Unsere Hände sind erstarrt vor Anspannung
Und können deswegen nicht loslassen
Nicht verlassen
Doch was ist Leben
Wenn nicht der Prozess des Todes und der Geburt?
Genieße Deine heutige, neue Geburt

Donnerstag, 26. März 2015

Wall der Worte

Versteckt hinter einem Wall der Worte
Erreichen wir nie diese Orte
Du sahst in mir die Nacht
Ich in Dir die Tür
Zum Sonnenaufgang
Zum neuen Klang
Unserer Stimmen
Ich würde gerne ein Kunstwerk malen
Aber das Problem ist: Meine Farben sind nur Worte
Zu blass für das Leuchten der Sterne
Das in uns steckt
Ich würde Dich gerne beschreiben, aber
Mein Stift würde brechen
Spätestens wenn ich bei Deinem Lächeln angekommen bin
Wo bleibt da der Sinn
Mit Worten zu jonglieren
Und am Ende doch zu verlieren
Gegen uns leuchtende Sterne


Nachtfrische

Nachtfrische, ich atme Geister
Schwarze Laster verschwimmen mit der Welt
Stahren in die Ferne, sodass ein Schmerz von mir fällt
Ich sehe es, ich bin eins mit ihr
Ein plötzlich ausbrechender Geysir
Sterne werden kühl beobachten
Worüber wir lachten
Unsere Einsamkeit
Machte uns bereit
Den fremden Raum zu erfassen
Zu Rennen durch neue, enge Gassen
Wir erwarten nicht, es zu finden
Wir erwarten, uns zu finden
Wenn wir verschwimmen mit der Schwärze
Ein durchtriebener Boden, aus dem wir sprießen
Und wir wandern durch den Morgennebel

Mittwoch, 25. März 2015

Das Meer - Theater der Poesie: 2



Zwei Menschen. Und wie sie doch Wälle zwischen sich bauen mochten. Kälterer Wind wich dem warmen Seidentuch der Umgebung, doch war die Luft feucht, für manchen ein vollkommender Trunk. 

„Sie werden sich nie sehen können. Nur ihre verzweifelten Spiegelbilder, die lächerlich scheinen zu dem Winde, der in ihrem Inneren Bäume entreißen mag.“

„Wie sie sich ergreifen wollen, wie sie das Objekt sehen, wie sie nicht verstehen, dass das Band zwischen ihnen reißen wird, werden sie in entgegengesetzte Richtungen laufen.“
„Sind sie verloren? Ist die Musik denn schon vorbei?“

„Und wenn sie grausame Laute von sich geben mag?“

„Dann sollen sie zu ihnen tanzen! Ihre Ohren werden die richtige Form schon erraten!“
„Sie werden nicht verstehen und nicht vom Meer kosten, nicht ihre Münder füllen mit köstlichem Wasser, nein, sie werden einfach und erbärmlich rosten, und eine Schande für den Strand sein.“

„Sie müssen verschwinden, verdrängen sich selbst, ihr Sand ist abgelaufen!“

Und sie gingen. Ohne zu verstehen. Beide fühlten das Wasser nicht. Beide würden es nie fühlen. Sie werden verhungern; was haben sie, eine leere Flasche, wo bleibt ihr Wein? Zerschmettert längst das Gefäß, das einst noch Hoffnungen barg, dem hat man sich entsagt?
Hören sie nicht den Klang ihrer Stimmen?

Was mögen sie uns angehen! Uns in unserer wunderbaren Isolation! Wir schauen und wollen nicht geschaut werden; doch gerade das ist die Lüge! Wir wollen, sie seien uns Diener, sie seien uns Ergebene, sie seien uns Lehrlinge! Und wie mögen wir das erreichen, wenn wir für sie nichts sein mögen denn blasse, verkümmernde Blumen am Wegesrand?
Wir müssen uns unser selbst reinigen! Und vielleicht können wir irgendwann auf dem Berge leben, der, den wir doch so erstreben!

Und so mochte die Nacht fortschreiten.