Prustender Winter. Wer sich unter weißen Decken versteckt, der hegt oft zerreißende Intentionen. Das Familiendrama auf Holzstelzen. Gefangen in der Scharm der Unzulässigkeit, habe ich einst geglaubt. Im weißem Schnee ist das Erkennen von Ejakulat schwer. Schwerer bis unmöglich für den gestählten Tiefentaucher, der eben nur Stahl kennt und sich Puderschnee verweigert. Dort könne man nämlich versinken.
Ich hingegen esse Schnee. Schieben durch Tannenschluchten. Mundöffnung breit als Abyss aufgetürmt und verrieben. Weißer Zahnkittel. Zarenreich im Kochprozess. Ich schiebe und schlürfe. Eisschollen gibt es nur an polaren Ladungen. Ich bin Eisbär auf Pinguinjagd.
Ich hingegen esse Atem. Selbstgeschenk am wundem Punkt des Kniegelenks. Daher Einreiben der Muskelfasern mit Schnee. Auch totes Fleisch kann nur observiert überleben. Verzehrfähigkeit ist wie Jungfräulichkeit.
Ich kaue, während selbst der Mond sich zur Bettruhe legt. Ich kannte ihn von Postkarten. Die Kindheit war geschwängert von Götzen und Gottheiten. Nun sah ich diese auf meiner Nase tanzen, nun sah ich grüne Reklamelichter am Nachthimmel und deren vehementen Handel mit meiner Pathos-Fackel. Anzünden kann ich diese aber tatsächlich nur mit Reibung. Das habe ich gelernt durch Ausschlusverfahren. Wenn damals das Streichholz streikte beim Versuch, ihre Baumstammvorfahren zu erleuchten, und dadurch der Magen und Unterleib mit Blei anstatt mit Essen zu befüllen sich rief. Die Details haben sich zersetzt, während ich über die Funktion dieser Szenen für mein Leben nachdenke. Vielleicht wegen dem Frost. Aber sicher ist doch in diesem Windzug: Fackeln kann man nur durch Reiben zum Brennen zwingen. Irgendwann prusten sie und schlagen aus der Hand, irgendwann fliegen Funken in den Schnee und sind nur schwer erkennbar.
Das habe ich gelernt in meinem nächtlichem Dachzimmer, das trotz Holz nie Feuer fing.
Schnee schmilzt. Ich bemerke ihn tatsächlich am Lippenansatz. Dann schlucken und drücken im Brustkorb. Organe befassen sich nun mit gegenseitiger Materie. Hände reiben an Pelzwänden und drücken. Ich zitterte nur in Momenten des Lernens, die ich heute als lästig und keinesfalls notwendig betrachte. Ich habe an diesen Kursen teilgenommen, um die über meinen Studienbedarf reichenden Entlohnungen des Tannen-Staates in Anspruch nehmen zu können.
Dann atme ich eigenen Atem wie aus einem Zwang, eine Zigarette am Bettfuß. Mein russischer Frühling, mit viel Arbeit verbunden. Ich habe mir einen wolligen Gehrock geschaffen aus meinen eigenen Luftstößen, aus meinem Stöhnen und Seufzen, aus meinen erstickenden Schreien am Ende. Jetzt sehe ich aus wie ein gemachter Mann, aber wo ist mein Körper geblieben? Ich setze mich unfruchtbar auf die Lichtung zwischen platten Horizont-Scheiben und drückenden Fußspuren. Hier besinge ich meinen Geschlechtsverlust; denn es ist so kalt, ich möchte meinen Gehrock nicht absetzen. Und auch wenn ich weiß, wie sehr ich doch innerlich reibe, so will ich diese Funken am heutigen Tage und in diesen Stunden nicht aus meinem Körper heraus in den Schnee betten lassen, sondern ihre Fruchtkerne von innen bereits einbalsamieren.
Die Folge wird doch immer sein: Ich esse mehr Schnee und weiß nur für eine Seite lang, warum.
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