Poetik für den Vorwand.

Samstag, 5. Dezember 2015

der tod (wie aus dem lehrbuch)

der tod: erregung öffentlichen ärgernisses
badezimmer ohne vorhänge in
straßenkreuzungen, spinnenpalast, gepflanzt
letzte ölung kocht im
scheinwerfer schlag licht, man biegt ab
(nicht so schnell wie früher)

wie auf armen laufen
damit holzkreuze oberkörper hängen lassen
würden
sie tragen ihren splittrigen meeresbusen nicht
mehr:
zu viele matrosen trinken
sich gallionsfiguren ins seebett
(man schwankt wie im kinderwagen)

der tod: lass ihn ersaufen
unsere töchter sind sicherer
an der bordsteinkante

(sagten mir menschen wie
in hosentaschen deformierte origami-faltungen)

Freitag, 4. Dezember 2015

schlafende kinder

wie schlafende arme
köpfe hebeln, antike hallen
neu geflochten zu
kordeln, graphit auf adern
und erden wie tau,
es kommen kleine münder der
stolpernden vögel, sie pusten
und küssen wie von lichtern
destilliert
und unsere körper schwanken trunken -
wie nackt, laufende sandburgen
einzelne stämme im meer,
das sich zum schlafen legt

Donnerstag, 3. Dezember 2015

walküren entführen im schlaf

walküren im bordell der
spechte gegen steinwand
der blick über den tellerand
einer kugel

kerze als vorhang von tausend sonnen
der blinde bläst sie aus
und sieht liedschatten endlicht
als seiner selbst, der orange fingerzeig sticht
wie purpurne haut, glatt wie flaggen

er setzt sich zwischen
magnetfenstern, spulen schleifen schuhprofile
mit haut wie nackte, unliebende
manchmal stemmt er auch die hände gegen
ohr und mund

Mittwoch, 2. Dezember 2015

siehst du (thays)

siehst du, brieftauben winkeln
sich gegen den atemdruck, den wir
universen zupusten, leuchttürme als
rückenwimperschlag

siehst du, in wendeltreppenhäusern
legen wir uns auf stufen
unsere stimmen wie fontänen blauer luft
flaggen nähen sich an den sommerstein

siehst du, wie der erdkopf sich dreht
er kannte das hellblaue wappen von uns:
mond und sonne
küssen sich gegenseitig im schlaf

filmstreifen

himmel wie filmstreifen drückt
werkzeuge in die purpurne erdhaut
wie die vermessung eines sandweges im sommer
kleine stimmen springen durch hallen aus
aststreben, bauhaus  wie baumhaus, fast hätte ich
vergessen, woher ich wusste, dass -
vakante anschlüsse, wie die menschenpendel auf meinem heimweg
die luft habe ich eingesogen, damit
ganz nüchtern betrachtet, kantige gesichter wie nackte rollen
gegen meine ellenbogen, und den flügeln auf meinem rücken
eine feder fällt
man erstickt mit plastiktüten , und ich wedele in kollision
staub auf, unendlich beschleunigt

Dienstag, 1. Dezember 2015

kinder, versteckt euch

räume wie rohre, rascheln von adlerschrei
entgegen von wimpern wie feldwebeln
putzt man staub von vergilbten manschetten
wie sonnen, rasten an meinem mund als
speichelteich
und beflecken sich hälser, zurück zu reichen 

in schwarze streifen, sorglos aussortiert
von händen ohne hals
halten kinder mit knopfaugen
sie wissen nicht, wo sie sind
zungen wie wirbelloser asphalt beim schmecken
und nackte körper bei der formschmelze
des mantelstoffes

"denn sie wissen nicht, was sie tun"

Montag, 30. November 2015

blinder fleck

blinder fleck der nacht
das glück an den zwei zacken packen
der mond ist längst auf erden gefallen
er und gekündigte kühlschränke,
schwarze laugen zu konservieren
das reh mit kinderaugen
vorangestoßenes der autokarawanen
entdeckt sternenzacken, an denen es
elektronen bluten darf, lichtschaltermarsch hat sich
eingeschaltet
zurecht zu drehen den blutkopf jesus
weg von fallenden adern, wie schreiende stimmen
in stillen kerzenkreisen

am ende schimmern fernsehkästen mit brotkrümeln:
das reh aß eigene füße in der savanne

der kopf pumpt zum herzen
schmelzende karosserien beenden jeden
arbeitsstau